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| "Meldorf ist so voller Geschichte
und Geschichten -- das liebe ich" |
| Schauspieler Hannes Schlunk (68) lebt seit fünf Jahren
in der Domstadt |
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Hannes Schlunk
und seine Frau Dagmar Bexel-Schlunk haben Meldorf zu ihrer Wahl-Heimat
gemacht. Der Schauspieler im Ruhestand unterstützt die Meldorfer
Theatergruppe.
Meldorf - Es war Zufall. Er führte Schauspieler Hannes Schlunk
und seine Frau, die freischaffende Bühnenbilderin Dagmar Bexel-Schlunk,
vor fünf Jahren nach Meldorf. Die Beiden suchten für den
Ruhestand das Nordseeklima, aber nicht den Büsumer oder Sylter
Touristenrummel.
Die Stadt berührte Hannes Schlunk bei der ersten Begegnung. "Meldorf
ist so voller Geschichte und Geschichten -- das liebe ich über
alles." Und die Lage. "Dass ich in diesem flachen Landstrich
auf einmal rauf muss und runter gehen kann." 1997 packte das
Paar seine Umzugskartons aus.
Neuigkeiten sprechen sich in Meldorf bekanntlich schnell herum. Bereits
drei Tage nach dem Umzug knüpfte Uwe Peters von der "meldorfer
theatergruppe" den ersten Kontakt. Doch der Ruheständler
reagierte zurückhaltend, wartete ab. Erst im vergangenen Jahr
ließ er sich "überreden", Regie zu führen.
"Weil ich gesehen habe, dass so viel Lust und Begeisterung in
dieser Gruppe ist, so viel Enthusiasmus." Mit Susan Claussen
und Hannelore Altenburg in den Hauptrollen probt er derzeit das Stück
"Laura und Lotte" von Peter Shaffer, das am 22. Februar
Premiere haben wird. Der Einsatz der Laienspieler sei enorm. Zwei
Proben stehen jede Woche im Terminkalender.
Über die Literatur ist der gebürtige Hamburger zur Schauspielerei
gekommen. Goethe und Schiller gaben die ersten Anregungen. Deren Werke
fand der Schüler im Bücherschrank der Eltern. "Und
ein junger Mann, der Neigungen hat, der fängt gleich an zu spielen."
Nach dem Krieg wurde der Jugendliche zu einem begeisterten Besucher
des Schauspielhauses, applaudierte Stars wie Werner Kraus und Will
Quadflieg. Mit Quadfliegs Kindern ging Schlunk auf dieselbe Schule.
Eines Tages nahm er sich ein Herz und spielte dem bewunderten Schauspieler
in dessen sonnendurchflutetem Wohnzimmer aus der "Iphigenie"
vor. "Daraufhin hat er mir seinen Orest vorgestellt." Zwischen
dem Schauspieler Quadflieg und dem Schauspieler Schlunk entwickelte
sich später eine freundschaftliche Verbindung.
Er wollte auf der Bühne stehen und sprach nach dem Schulabschluss
an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater vor. Acht
Studenten bekamen pro Semester eine Chance -- der junge Mann mit der
tiefen Stimme gehörte dazu.
Nach der zweijährigen Ausbildung folgten erste Auftritte am Thalia-Theater
und dann Engagements in Bochum, Oberhausen, Neuss, Pforzheim, Würzburg
und zuletzt am Staatstheater Hannover. "Theater ist so wahnsinnig
reizvoll, wenn man Glück gehabt hat." Er sei mehrmals in
tolle Ensembles gekommen. "Ich habe eine hochinteressante Theaterzeit
erlebt."
An viele Rollen denkt Hannes Schlunk mit Begeisterung zurück.
Doch der Arturo Ui in Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo
Ui" sei die soannendste Person gewesen, die er gespielt habe.
Das Stück ist eine Parabel auf Adolf Hitler, die ins Chicagoer
Mafia-Milieu eingebettet ist. "Adolf Hitler als Krimi zu spielen.
Das war einer meiner Höhepunkte."
1981 wechselte der heute 68-jährige als Sprecher zum NDR Hannover.
Er formulierte mit seiner ausdrucksstarken Stimme Hörspiele,
Nachrichten und Features. Außerdem moderierte er im Nachtprogramm
und stand als Nachrichtensprecher für das Regionalprogramm "Hallo
Niedersachsen" vor der Kamera. Auch Fernsehrollen übernahm
er. Im "Großstadtrevier" schlüpfte er noch kürzlich
in die Rolle eines Rentners. Vor fünf Jahren besetzte er diesen
Part auch im wirklichen Leben.
Trotz knapper Finanzen in Städten und Gemeinden sieht Hannes
Schlunk das Theater nicht sterben. "Finanzprobleme gab es all
die Jahre. Seit ich am Theater bin, ist immer dort als erstes gespart
worden." Das Theater werde nicht zugrunde gehen. "Es wird
sich produktiv auf sich selbst besinnen und eine Qualitätssteigerung
erleben, die es wieder zu etwas Einmaligem machen wird." Die
Krux sei, dass Deutschland fantastische Schauspieler habe, "die
leider, leider alle fürs Fernsehen arbeiten".
Einen Weg, Jugendliche wieder für die Bühnenkunst zu begeistern,
sieht Hannes Schlunk derzeit auch nicht. "Ich bin in der Realschule
gewesen und habe Schülern von Wolfgang Borchert erzählt.
Und es war mucksmäuschen still", sagt der Schauspieler,
der Mitglied in der Internationalen Wolfgang-Borchert-Gesellschaft
ist. Doch bei der Borchert-Lesung anlässlich des Volkstrauertages
im Dom habe er keinen der Schüler gesehen.
von Meike Wagner |
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Dithmarscher
Rundschau vom 26. Januar 2002 (Sa), Seite MEL1 |
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