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| "Manchmal brauche ich Zeit, um
wieder Tim zu werden" |
| 28jähriger geht als Schauspieler in seinen Rollen auf |
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Meldorf
(sal) Mindestens zwei Herzen schlummern in seiner Brust. Stark ausgeprägt
und klassisch-konträr, das arbeitsmae, bürgerliche Leben
des Krankenpflegers Tim Sendel auf der einen Seite, sein künsterlisches
Leben auf den Brettern, die die Welt bedeuten, auf der anderen.
So findet auch eine räumliche Trennung der beiden Lebensinhalte
statt: Arbeiten in Heide, Theater und Schauspielerei bei der Meldorfer
Theatergruppe.
"Schon sehr früh habe ich mich mit Kunst beschäftigt",
erzählt der 28jährige. Neben seiner Bundeswehrzeit suchte
sich der "Nichtsportler" zum Ausgleich Beschäftigung
in der Malerei. Durch eine ehemalige Kunstlehrerin angespront, nahm
Tim Sendel jahrelang an einem Aktzeichenkursus teil. Da sein Vater
immer wieder betonte, daß sein schon begabter Sohn keine Gesichter
zeichnen könne, stürtzte sich der Filius mit Feuereifer
eben in dieses Fach. "Mittlerweile male ich fast nur noch Gesichter,
zum Teil verfremdete Werbefotos, zum Teil auch Porträts von Freunden
und Verwandten."
Als Susan Claussen, ehemalige Englischlehrerin am Technischen Gymnasium
Meldorf und Regisseurin der Meldorfer Theatergruppe, ihn das erste
Mal in die "Ditmarsia" brachte, erwachte eine tiefe Leidenschaft,
die sich in den letzten sechs Jahren immer mehr ausgeprägt hat.
"Ich mußte mich schon 'hochdienen', denn angefangen habe
ich mit ganz kleinen Rollen", erzählt Tim Sendel. Seine
Mentorin und strenge Lehrerin Susan Claussen, ausgebildete Theaterwissenschaftlerin,
entdeckte das große Talent und förderte es.
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Tränen, Wut und
Verzweifelung - alles echt |
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"Ihre Regiearbeit ist phantastisch, und sie holt aus mir alles
heraus." So brillierte der junge Schauspieler nach einer kleinen
Rollen in Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt" schon in
"14 oder 15 Rollen". Neben den Kinderstücken "Die
dumme Augustine", "Hotzenplotz" oder "Die kleine
Hexe" spielt Tim Sendel immer wieder den empfindsamen jungen,
unverstandenen Mann.
Keiner der zahlreichen "Ditmarsia"-Gänger wird ihn
jedoch in seiner letzten Rolle vergessen. "Das war die tollste
Rolle bis jetzt, aber auch die härteste." Der junge Eric
in dem Wilder-Stück "Ein Inspektor kommt" verlangte
alles an Gefühl, was ein Schaupspieler auf der Bühne zu
geben vermag. So waren die Tränen und Wutausbrüche, die
Verzweiflung und die maßlose Empörung über die Scheinheiligkeit
der Gesellschaft alle echt. "Manchmal brauchte ich nach einer
Aufführung ganz schön Zeit, um wider Tim zu werden."
Die begeisterten Zuschauer dankten ihm seinen vorbehaltlosen Einsatz
mit ausverkauften Vorstellungen und oftmals erschütterten Tränen.
"Das war eine tolle Rolle, aber die neuen Projekte sind auch
ein Traum", erzählt Tim, der manchmal schon mit dem Gedanken
liebäugelt, sein Hobby, die Schauspielerei, zum Beruf zu machen.
Doch sicherer wäre der Job im Krankenhaus, eine Zusatzausbildung
zum Pflegepädagogen. "Jetzt spiele ich ab Dezember erstmal
das Sams in unserem neuen Kinderstück, und bei den '2. Meldorfer
Theatertagen' den schrillen Quacksalber in 'Blut und Liebe'. Danach
werde ich meine Theaterpläne mal ernsthafter in Angriff nehmen." |
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Dithmarscher
Landeszeitung vom 31. Juli 1996 (Mi), Seite 14
Hinweis: Susan Claussen ist Lehrerin am FachGymnasium Meldorf, technischer
Zweig und leitet dort die Literaturkurse. |
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