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Gastspiel
der Schulmeisterbühne
am 11. Januat 2003
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| Zwischen Scherz und Entsetzen |
| Mit der Farce "Nach dem Regen" zeigten die Schauspieler
der "Schulmeisterbühne" den schmalen Grat zwischen
Scherz und Entsetzen auf. |
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Meldorf.
Die "Schulmeisterbühne", eines der renommiertesten
Amateurtheater Schleswig-Holsteins, gastierte mit der Farce "Nach
dem Regen" des Katalanen Sergi Belbel in der Ditmarsia und verblüffte
das Publikum mit einem Schauspiel, das sich auf dem schmalen Grat
zwischen Scherz und Entsetzen bewegt. Ort der Handlung ist das triste
Dach eines Hochhauses. RAUCHEN VERBOTEN besagt dort ein Schild. Ein
zweites verbietet das Betreten des Daches überhaupt. Natürlich
bewirken beide Schilder genau das Gegenteil: unter Vorwänden
aller Art treffen sich hier Chefs und Sekretärinnen, der Bürobote
und der Programmierer, die vor allem eines verbindet: ihre Sucht nach
einer Zigarette, die sie in den Büroräumen nicht befriedigen
dürfen. Gemeinsam leiden sie außer an ihren Entzugserscheinungen
an der Dürre: seit zwei Jahren fiel kein Regen. Dürre als
Metapher für Einsamkeit und Verzweiflung, Neid und Intrige, Egozentrik
und Leere. Dort auf dem Dach werden alle Facetten zwischenmenschlicher
Beziehungen offenbar, Träume davon, den Kollegen hinunter zu
stürzen oder selbst der Verführung der Tiefe zu erliegen
und hinabzufallen wie der Hubschrauber, der unten aufschlägt.
All den privaten Dramen, die dort auf dem Dach ans Licht kommen, wird
der Stachel genommen, weil Belbel die Handlung durch komödiantische
Überzeichnung zu dem gemacht hat, was man eine Farce nennt. Die
Grenze zum Absurden wird erreicht, wenn die schrille, oberflächliche
Hauptverwaltungssekretärin (Inken Schnaase) mit dem Geschenk
ihres Chefs, einem teuren Kleid, nur ein einziges Problem hat: ihr
fehlen die passenden Schuhe.
Unter der Regie von Johannes Missall entstand ein Spiel mit Licht
und Schatten, Traum und Wirklichkeit, Begierden und Süchten,
in dem jeder der acht Mitwirkenden seine Rolle vortrefflich ausfüllte:
die esoterische Sekretärin auf der Suche nach der telegenetischen
Kraft des Geistes (Maren Wendt), die Philosophin, die unauffällig
auf den Direktorensessel gelangt (Insa Valkema), die Modepuppe (Inken
Schnaase) und die Einsame (Saskia Papke). Sehr witzig der Stadtbote
(Alex Zey), der in die Rolle des großen Verführers hinein
wächst. Die drei in der Firmenhierarchie weiter oben angesiedelten
Männer (Helmuth Zurbrüggen, Matthias Valkema und Jan Schnaase)
sind von privaten und beruflichen Sorgen zerfressen, die in der andauernden
Dürre zu grotesken Träumen und Gedanken führen.
Das Meldorfer Publikum bedankte sich für diese nicht alltägliche
Form des Schauspiels und die großen Leistungen der Schulmeister-Amateure
mit anerkennendem Applaus.
von Anneliese Peters |
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Dithmarscher
Rundschau vom 15. Januar 2003 (Mi) |
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