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Gastspiel
der Holsteiner
Schulmeisterbühne
am 19. Mai 2001
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| Beklemmende Laborsituation |
| Schulmeisterbühne fesselt das Publikum |
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Meldorf
(mb) Leichte, heitere Stücke bestimmten den Spielplan der
Holsteiner Schulmeisterbühne, die wieder einmal in der Ditmarsia
gastierte, seit ihrem Bestehen 1959. Mit der Aufführung von "Scotland
Road" von Jeffrey Hatcher, einem zeitgenössischen amerikanischen
Autor, brach sie mit diesem Image.
Jeffrey Hatcher schrieb das Fünf-Personen-Stück 1992, als
er in einem Supermarkt auf die Zeitungsmeldung stieß: "Titanic-Überlebende
auf Eisberg gefunden - sie glaubt, es sei der 15. April 1912."
Diese Überlebende, eine junge Frau, soll begelitet von einer
isländischen Psychiaterin in eine Klinik nach Boston gebracht
werden. Ein reicher Mann erkauft sich das Recht, selbst hinter das
Rätsel dieser jungen Frau zu kommen. Ist sie eine Betrügerin,
eine Psychopathin, wird sie vorgeschickt von einer mächtigen
Medienindustrie, die auf Sensationsmache aus ist? Oder gibt es eine
weitere Möglichkeit, eine, die jedes vernünftige Denken
sprengt?
Der Zuschauer wird konfrontiert mit einer beklemmenden Laborsituation.
Zwischen weißen Wänden, in einem fensterlosen Raum, beginnt
eine Versuchsreihe anzulaufen, mit der John austesten will, ob die
Unbekannte das Schiff gekannt hat, dessen Untergang die Welt bewegte
wie der keines anderen Schiffes. Sie kennt sich aus. Kennt sogar die
Scotland Road. So nannte die Besatzung den Korridor im E-Deck, der
die Maschinenräume in Bug und Heck miteinander verband. Kennt
sich besser aus als er selbst. Der kleine Supermarktverkäufer.
Der sich hineingelebt hat in die Rolle eines Enkels der Astor-Geld-Aristokratie,
dessen Großvater mit der Titanic unterging.
Am Ende stehen sie Hand in Hand nebeneinander. Zwei arme Irre, eingesperrt
in einem festerlosen Raum, auf dessen weiße Wände sie ihre
Phantasien, ihre Träume projizieren? Einfach zwei Menschen, die
sich dem grauen Lebensalltag entzogen haben? Zwei Überlebende
der Titanic?
Es blieb lange still nach der Aufführung, bevor der Applaus einsetzte.
Derart gefesselt war das Publikum. Um dann noch lange in Diskussionen
mit dem Ensemble nach einer Interpretation zu suchen, die aber am
Ende wohl jeder für sich finden musste. |
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Dithmarscher
Landeszeitung vom 26. Mai 2001 (Sa) |
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