Gedenken im Dom
Theatergruppe gestaltet die städtische Feier zum Volkstrauertag


 
 
 
 
 
 

 

von Anneliese Peters
 
 

Die älteren Meldorfer erinnern sich noch daran: Bis 1993 fand die städtische Feierstünde zum Volkstrauertag immer im Anschluss an den Gottesdienst in der sogenannten Ehrenhalle des Domes statt.
Honoratioren der Stadt hielten die Gedenkrede. Außer den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, die Dienst hatten, nahmen keine jungen Menschen an der Feier teil.
Wie konnte man den Sinn dieses Tages Schülern und Schülerinnen nahe bringen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Gremium aus Vertretern der Kirche, der Stadt und der Schulen, das zusammen gekommen war, um dem Volkstrauertag seine Bedeutung und Berechtigung auch für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Der Gedanke lag nahe, die Ausgestaltung der Feierstunde den Schulen und Jugendgruppen der Stadt zu übertragen.
Und so haben im regelmäßigen Wechsel seit 1994 die Gelehrtenschule, die Hauptschule und die Realschule (inzwischen zur Gemeinschaftschule zusammengewachsen), das Jugendzentrum und auch die Meldorfer Theatergruppe Jahr für Jahr eine würdige Feierstunde ausgerichtet, die immer in der Ditmarsia stattfand.
Die jungen Menschen, die sich mit Lesungen, Liedern, Bildern und Fotos dem Thema „Krieg" näherten, gestanden nach der Veranstaltung oft: Der
Begriff Volkstrauertag hatte ihnen vorher nichts bedeutet. Das änderte sich durch die Beschäftigung mit dem Anliegen dieses Gedenktages. Der ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges kein „Heldengedenktag" mehr, sondern ein Tag, an dem an Tod, Leid und Verlust erinnert und davor gewarnt werden soll, aus Konflikten wieder Krieg werden zu lassen. Gleichzeitig wird der Blick auf alle kriegerischen Handlungen dieser Welt in unserer Zeit gerichtet.
In diesem Jahr hat die Meldorfer Theatergruppe die Gestaltung der städtischen Feierstunde übernommen. Sie findet jedoch diesmal nicht in der Ditmarsia statt, sondern wie vor 18 Jahren im Dom.
Nach dem Gottesdienst, bei dem Pastor Thomas Baum am Sonntag, 13. November, die Predigt hält, beginnt um 11.30 Uhr die Feierstunde, deren Thema „Flucht" lautet. Es soll an die Flucht von Menschen am Anfang und Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert werden. Aber es werden auch die Flüchtlinge, die in unserer Zeit ihre Heimat verlassen müssen, nicht vergessen. Es werden Texten von Bertolt Brecht, Marion Dönhoff, Christian von Krockow, Siba Shakib und Philipp Hedemann vorgetragen von Susan Claussen, Kersti Götzke, Uwe Peters und Aspasia Pohlmeyer. Mit Liedern, die zum Frieden aufrufen und von Julius Beeck am Klavier gesungen werden, soll diese städtisehe Feierstunde den offiziellen Teil des Gedenkens am Volkstrauertag ausklingen lassen.

 

 

 



 

DLZ 08.11.2011 von Anneliese Peters



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