| |
Meldorf - Die Spannung war groß, der Vorverkauf läuft immer noch auf vollen Touren, überall in der Stadt hängen Plakate: „Ein Fall für Pater Brown" steht auf dem Programm der Meldorfer Theatergruppe. Eine Kriminalkomödie in sechs Bildern, die gestern Abend eine schöne Premierenfeier erlebte.
Die dankbare Rolle des ständig in Kriminalfälle verstrickten Paters hat Käy Wengoborski übernommen, Aspasia Pohlmeyer spielt seine Haushälterin, die so gerne Ostern und Weihnachten in derselben Kirche feiern würde — aber ihr Chef wird vorher vom Bischof versetzt. Soeben sind sie auf der Isle of Man angekommen und werden dort schnell mit der schrillen Kneipenbesitzerin Rose Malloney konfrontiert, die von Gesche Utermark-Koch gespielt wird.
Neben den drei bekannten Gesichtern gibt es bei der Meldorfer Theatergruppe immer wieder Darsteller, bei denen sich das Publikum fragt: Wer ist denn das? Zu denen gehören Wiebke Claußen und Sven Methner. Die Tochter des Küsters und der junge Fischer sind im „Fall für Pater Brown" ein heimliches Liebespaar, aber natürlich ist es für den Pater eine seiner leichteren Übungen, dieses Geheimnis schnell zu lüften.
Sven Methner lebt seit vier Jahren in Dithmarschen. Der selbständige Stadtplaner hatte schon aus der Ferne im Internet geforscht, ob es in seinem neuen Wohnort eine Gruppe gäbe, bei der er seinem Hobby, dem Theaterspielen, nachgehen könnte. Dieses Hobby hatte er während seines Studiums in Kaiserslautern entdeckt, wo es eine Gruppe mit anspruchsvollem Repertoire gab. Er fand die Meldorfer Theatergruppe, sah sich 2007 die Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm" an und fragte, ob man ihn gebrauchen könne. Man konnte, und im nächsten Kinderstück war er ein Kamel und ein Geier - ein eher bescheidener Anfang. Doch er steigerte sich schnell, bekam im „Equus" eine größere Rolle, wirkte im „Zauberer von Oz" und in der „Dreigroschenoper" mit und ist nun der junge Fischer Tony Saunders.
Theaterspielen ist für Sven Methner ein langjähriges und leidenschaftliches Hobby. Es ist jedoch seine erste Rolle als jugendlicher Liebhaber - allerdings eine nette Erfahrung, wie er sagt. Außerdem habe er eine sympathische Partnerin, was „die Rolle einfacher macht".
Diese Partnerin ist Wiebke Claußen, gebürtige Meldorferin, die mit 23 Jahren für viele Jahre aus ihrer Heimatstadt fortging, in Ansbach und Bremen arbeitete und studierte und 2008 mit ihrer Tochter Ina an die Nordsee zurückkehrte. Im wahren Leben arbeitet sie als Sozialpädagogin am Berufsbildungszentrum.
„Das Leben hier ist entspannter als in der Großstadt Bremen", sagt sie. Außerdem gibt es hier familiäre Bindungen. In Bremen habe sie die Erfahrung gemacht, dass man am schnellsten neue Menschen kennenlernt, wenn man sich einem Verein anschließt. „Und beim Theater spielen kann ich am besten meine unterschiedlichen kreativen Seiten ausleben", resümiert sie. So kam sie zur Theatergruppe, war im „Zauberer von Oz" ein Baum, eine Krähe und ein Schlaraffe. Sie hatte damals wenig Text, dafür sehr unterschiedliche Kostüme, die sie in Rekordzeit wechseln musste. Miss Sophie Gladwell im „Pater Brown" ist ihre erste richtige Rolle. Sich in die Rolle der Küstertochter einzufinden fiel ihr schwer, sagt sie. "Ich stehe oft nur herum und warte". Aber aus dem Herumstehen und Warten macht Wiebke Claußen mittlerweile auch eine aktive Rolle, findet Regisseurin Annelie Anhut lobende Worte für die neue Darstellerin des Meldorfer Ensembles.
|
|