Theodor Storm
Lesung zur Dänischen Woche


 
 
 
 
 
 
Welchen Frauen Theodor Storm an die Wäsche ging
Unterhaltsame und aufschlussreiche Lesung der Meldorfer Theatergruppe vor zu wenig Publikum
 
  Brunsbüttel – „Theodor Storm und seine Frauen“, so das viel versprechende Thema eines literarischen Abends, zu dem die Meldorfer Theatergruppe ins Elbeforum geladen hatte. Leider ließ der Besuch stark zu wünschen übrig, so dass selbst der Bürgersaal zu groß war. Schade, denn die Meldorfer Amateure, am Klavier begleitet von Hannes Möller, unterhielten ihr Publikum aufs Beste: Uwe Peters führte durch das auffallend stürmische Liebesleben des großen Husumers, und drei andere Mitglieder der Theatergruppe – Aspasia Pohlmeier, Christine Grothues, Dr. Axel Staudte – lasen Briefstellen (nicht nur von Storm) und Gedichte vor, die mit den einzelnen Lebensabschnitten zu tun haben.
Zuhörer, die den bärtigen Nordfriesen bis dato für einen lammfrommen Mann hielten, lernten ihn hier mal ganz anders kennen – als ruhelosen Faun, der seiner Kusine und Braut Constanze Esmarch ganz unzeitgemäß (19. Jahrhundert! ) an die Wäsche geht und sie noch vor Ablauf der qualvoll langen Verlobungszeit (zwei Jahre hatte der Segeberger Schwiegervater verordnet!) entjungfert. Tja, und damit nicht genug: Nebenbei geht er auch noch fremd – unter anderem mit der Freundin einer seiner Schwestern: Dorothea Jensen, seiner späteren zweiten Frau.
Im Mittelpunkt der Lesung standen naturgemäß die wechselvollen Beziehungen des dichtenden Juristen zu seinen beiden Ehefrauen, der besagten Constanze (mit der er von 1846 bis 1865 verheiratet war) und ihrer Nachfolgerin Dorothea (1866-1887). Aber auch die etwas anrüchige Passion des 19-jährigen Jurastudenten Storm für ein zehnjähriges Mädchen, Bertha von Buchan, wurde nicht ausgespart. Angetan hat er der Hamburger Lolita (der er einige Jahre später sogar einen Heiratsantrag machte) aber Gott sei Dank nichts. Stattdessen hat er ihr einige wunderschöne Gedichte gewidmet – von denen zwei, „Junges Leid“ und „Bettlerliebe“, im Bürgersaal zu hören waren. Das schönste, „Lockenköpfchen“, fehlte leider.
Überhaupt kam Storms Meisterlyrik an diesem Abend erfreulich oft zu Wort – mit Perlen der Verskunst wie „Hast du mein herbes Wort vergeben?“, „Glücklich, wem in erster Liebe“, „Mysterium“, „Sprich, bist du stark“, „Wer je gelebt in Liebesarmen“, „Tiefe Schatten 1“ (alle für Constanze) oder „Rote Rosen“, „Die Zeit ist hin“, „Und war es auch ein großer Schmerz“, „Frauenhand“ (alle für Dorothea). Den vielleicht bewegendsten Eindruck unter all diesen Kleinodien der Liebeslyrik machte ein Totengedicht: „Tiefe Schatten 1“, in dem Storm seiner Trauer um Constanze Ausdruck gibt, die bei der Geburt ihres siebten Kindes gestorben ist („In der Gruft bei alten Särgen“).
Ein origineller, erfreulich gelungener Beitrag zum Storm-Jahr 2007!
Von Dr. Michael Mahlstedt
 
Dithmarscher Landeszeitung 24. Sept. 2007


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