Die deutschen Kleinstädter
Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
Kleinstädter und ihre Marotten
Meldorfer Theatergruppe studiert Kotzebue-Stück ein - Premiere am 6. Februar
 
  von Knut Hartmann

MELDORF - Im Saal der "Ditmarsia" herrscht eine gelöste Atmosphäre. Requisiten liegen herum, Kostüme werden probiert, es wird geflachst und gescherzt und im Hintergrund rattert leise eine Nähmaschine. Probenzeit in der Meldorfer Theatergruppe.

"Wir proben im Moment zweimal pro Woche und in der letzten Woche vor der Premiere dann täglich", berichtet Sabine Lang von der intensiven Vorbereitung. Wie die meisten ihrer Kolleginnen steht auch die groß gewachsene, schlanke Schauspielerin schon während der Proben immer im Kostüm auf der Bühne, um sich an die ausladenden Kleider zu gewöhnen, die sie im Stück trägt.

Verantwortlich für die Kostüme ist Louise Meers, die während der Proben ihre Nähmaschine im Büro der Familienbildungsstätte nebenan aufbaut, um kurzfristig noch Anderungen vornehmen zu können.

Die Stimmung ist ausgelassen. Sie passt zur Komödie, die auf der Bühne geprobt wird. "Die deutschen Kleinstädter" heißt das Stück von August von Kotzebue, mit dem die Meldorfer Theatergruppe ihrem Publikum einen heiteren Abend bescheren will. "Das Stück hält der bürgerlichen Gesellschaft einen Spiegel vor. Es nimmt das typische Leben in der Kleinstadt liebevoll, aber nicht ohne einen gewissen Biss, auf die Schippe", skizziert die Regisseurin Susan Claussen kurz den Inhalt.

Schon beim Blick ins Programm werden die ersten Marotten der Kleinstädter deutlich. Ob Frau Untersteuer-Einnehmerin Staar oder Herr Weg-, Bau-, Berg- und Talinspektorstellvertreter Sperling - die Titelsucht der Charaktere ist unübersehbar.

Doch so lustig diese Titel auch klingen, sie erleichtern nicht gerade das Lernen des Textes. Während der Probe hat Regieassistentin

Anneliese Peters, die mit dem Textbuch bewaffnet neben Susan Claussen in der ersten Reihe sitzt, viele Einsätze. "Das ist ein grausamer Text", entfährt es Bernd Heinrich, als er ein "Gedicht" seiner Rolle zum Vortrag bringt. "Ich weiß", erklärt Claussen, "das soll auch so sein." Denn die dichterischen Fähigkeiten von Heinrichs Figur sind doch eher begrenzt.

Andere Schauspieler müssen bei bestimmten Textpassagen noch ganz passen und das Textbuch zur Hand nehmen. "Wir haben ja noch so viel Zeit", lächelt Tim Sendei verschmitzt. Bis zur Premiere sind es nur noch gut zwei Wochen.

Doch nicht nur der Text ist eine Wissenschaft für sich. Wer denkt, die Schauspieler dürften sich auf der Bühne frei bewegen, der irrt. Die Laufwege und Handlungen sind präzise festgelegt. Und wenn es, wie in den Proben häufiger, zu Anderungen kommt, passiert es in der Folge schon einmal, dass einer der Schauspieler seinen Dialogpartner nicht auf Anhieb findet. In dem Stück wimmelt es nur so von Laufwegen. "Das ist eine richtige Choreographie", bemerkt Hanne Altenburg. Und Susan Claussen ist unnachgiebig.

Die Schauspieler haben sich daran gewöhntund wissen, was gemeint ist. Auch wenn die angestrebte Perfektion der Regisseurin den Mitgliedern der Theatergruppe einiges abverlangt, die hohe Qualität der Aufführungen der vergangenen Jahre sind der Beweis, dass es gut so ist. "Sie quält uns schon ganz schön, aber es zahlt sich aus", erklärt Uwe Peters und fügt lächelnd hinzu: "Bis dahin aber verfluchen wir sie bisweilen."

Die Premiere beginnt am Freitag, 6. Februar, um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es im Schuh- und Sporthaus Carstensen.
 
Dithmarscher Landeszeitung 21. Januar 2004 (Mi), Seite 13


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