Was ihr wollt
Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
Das reine Vergnügen
Gefeierte Premiere von Shakespeares "Was ihr wollt"
 
  "Meine Knie waren weich, und das die ganze Aufführung hindurch", gesteht Fabian - Verzeiung, Kai Wengoborski. Das nehme ich ihm ja noch ab. Aber den Debütanten, der er vorgibt zu sein - also, ich weiß nicht. Ganz schön talentiert, dieser Mann aus dem Rathaus. Ein Gewinn für die Meldorfer Theatergruppe.

Meldorf (Gesine Groll) - Im Trio mit den alten Hasen Uwe Peters, alias Tobis von Rülp, und Bern Heinrich, alias Benjamin von und zu Bleichenwang, hat er - ohne dass ihn seine weichen Knie dabei sonderlich behindert hätten - seinen Spaß am Shakespearschen Ränkespiel. Mit ihm die Premierengäste in der voll besetzten "Ditmarsia".

Nach dreistündiger wort-, wirt- und temperamentgeladener Aufführung entlädt sich diese Begeisterung in stürmischen Applaus. Standing Ovations für "Was ihr wollt".

So oder so ähnlich muss Shakespeare es sich vorgestellt und auch erlebt haben: ein Publikum, das von dem Geschehen auf der Bühne vom ersten Augenblick an gefesselt ist und begeistert mitgeht. Es feierte von Beginn an jede einzelne Szene mit Applaus und verpasste keine Pointe in dem Spiel um Eitelkeiten, Leidenschaften, Irrungen und Wirrungen.

Hätten Sie übrigens gedacht, dass es BSE schon zu Zeiten Shakespeares gegeben haben muss? Warum? Schauen Sie selbst. Als kleiner Hinweis soll genügen, dass hierzu besnders auf eine ziemlich karierte, eingebildete und mächtig dumme Figur zu achten ist. Genial, dieser Hernd Heinrich in der Rolle des Bleichenwang. Das genaue Gegenteil zu Malvolio, dem knochentrockenen Haushofmeister. Eine Figur, die Tim Sendel wie auf dem Leib geschrieben ist, und von ihm mit Leib und Seele interpretiert. Dergleichen gilt für Feste, den Hausnarren. In seinen Kleidern steckt das Engergiebündel Beate Prebeck.

Drei Glanzlichter, die das übrige Ensemble jedoch nicht überstrahlen. Einmal mehr hat Regisseurin Susan Claussen ihr sicheres Händchen für die richtige Besetzung unter Beweis gestellt und die so unterschiedlichen Charakteren zu einem großen Ganzen zusammengeschweißt.

Ausdrucksstark Sabine Lang als Olivia und Axel Staudte als Orsino, sich steigernd Meike Thiel und Jörg Sticken als das Zwillingspaar Viola/Cesario und Sebastian, unverwechselbar Hannelore Altenburg als Kammerfrau Maria und Uwe Peters als Junker Tobias, verlässlich Abbi Rauno, Thomas Refisch, Bernd Tiessen und Sven Carstensen. Während das sparsame Bühnenbild und die gekonnte Beleuchtung der Komödie den soliden Rahmen gaben, steigerte die Darsteller ihr Spiel noch in der zweiten Hälfte. Die Standing Ovations und Bravo-Rufe waren verdient.
 
Dithmarscher Landeszeitung vom 19. März 2001 (Mo), Seite 11


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