Was ihr wollt
Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
"Shakespeare und ich sind ein Gespann"
Was ihr wollt - Susan Claussen probt mit der Theatergruppe endlich ein Stück ihres Lieblingsautors
 
  Mein Kopf ist reif zum Bösen. Ich schlacht mein liebes Lamm, um dem...
Nein!
Mein Kopf ist reif zum Bösen. Ich schlacht mein Lamm,...
Oouuhh! Das geht nicht. Ich brauche doch das Textbuch, stöhnt Axel Staudte, setzt sich die Lesebrille auf die Nase und beginnt von vorne:
Mein Kopf ist reif zum Bösen. Ich schlacht mein liebes Lamm, um damit Leiden dem Rabenherz der Taube zu bereiten.

"Das musst du erst einmal aussprechen können!" Axel Staudte hat seine liebe Mühe mit der gedrechselten Grammatik Shakespeares. Und es sind nur noch vier Wochen Zeit. Am 16. März ist Premiere: Was ihr wollt.

Ein tolles Stück, da sind sich die Leute von der Meldorfer Theatergruppe einig. Aber auch ganz schön schwer.

Wie laufen die Proben, Susan Claussen? "Panik", ruft die Regisserin aus. "Im Moment dauert das Stück noch sechs Stunden - aber das schreiben Sie doch nicht! Sonst kommt womöglich keiner..."

Keine Sorge. Wenn das Zuschauen bei einer Probe schon so unterhaltsam ist, werden die Aufführungen das reinste Vergnügen bereiten. Auf die Meldorfer Theatergruppe ist doch Verlass.

Seit April vergangenen Jahres wird das Stück geprobt. Susan Claussen, die sagt, "Claussen und Shakespeare, das ist ein Gespann, schon seit meiner Schulzeit", hat es endlich geschaftt, die Meldorfer Truppe für ihren Lieblingsdichter zu gewinnen. Wir schreiben das 15. Jahr, in dem die Berufsschullehrerin bei der Meldorfer Theatergruppe Regie führt. "Da gab es gewisse Berührungsängste, aber wir sind miteinander gewachsen", sagt sie und blickt irgendwie zufrieden drein - während sich oben auf der Bühne ein kleines Chaos entwickelt.

Wer sagt hier was zu wem? ist gerade die Frage: Orsine (Axel Staudte) zu Olivia (Sabine Lang) oder zu Viola (Meike Thiel), die als Cesario verkleidet vor ihm steht? Zu Ceasario: Komm fort mit mir!
"Und jetzt beginnt ein Tauziehen um Cesario zwischen Orsino und Olivia", kommt die Regieanweisung von unten. "Schreib das auf, Iris, damit ich das nicht vergesse." Iris Buberl hat die Regieassistenz, sitzt mit dem dicken Textbuch am Rande der Bühne und gibt den Schauspielern ihre Stichworte. Nicht nur bei Axel Staudte hakt es noch mit dem Text.

Aber bei ihm besonders. Das ist er gar nicht gewohnt. Wie wird er das in den Griff kriegen? "Lernen, aus dem Buch. Und da ich diese Woche viel mit dem Auto unterwegs bin, kann ich den Kassettenrekorder laufen lassen und mitsprechen. Das wird schon."

Schließlich gehört diese gedrechselte Sprache zum Charakter von Orsino, dem Herzog von Illyrien, der die Gräfin Olivia liebt, die sich aber in Cesario, der eigentlich Viola ist, verguckt hat. Um diese Dreiecksgeschichte, aus der zum guten Schluss ein Viereck wird, hat Shakespeare ein üppiges Rankwerkvon Neben- und Randfiguren, die ein starkes Eigenleben besitzen, gesetzt. Eine parallele Komödie, mal derbe, mal melancholisch, mal romantisch, mal philosophisch. Da heiß es, viele Rollen zu besetzen, neue Mitspieler zu gewinnen. Männer vor allem.

Einer von ihnen ist Kai Wengoborski, den Meldorfern eher als Hauptamtsleiter im Rathaus bekannt. Meike Thiel habe ihn überredet, mitzumachen. Für ihn war das ein Sprung ins kalte Wasser. Denn Bühnenerfahrung hat er kaum, war einmal bei einer Schulaufführung dabei. "Aber es macht großen Spaß. Wenn das nur bei der Aufführung auch so ist. Da werde ich bestimmt weiche Knie bekommen", fürchtet er.

Wir werden sehen. Am 16. März bei der Premiere.
 
Dithmarscher Rundschau vom 16. Februar 2001 (Fr), Seite 12, von Gesine Groll


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