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| Absurdes Theater in Meldorf |
| Premiere von Stoppard-Stücken am Freitag in der "Ditmarsia" |
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Schon
wieder feierte die Meldorfer Theatergruppe Erfolge. Tosenden Applaus
erntete das Laienensemble am Wochenende in der "Ditmarsia"
bei der Premiere mit zwei absurden Kriminalstücken.
Meldorf - von Birger Bahlo
Zum Schluss fehlten nur noch die begeisteren Rufe nach Zugaben. Der
Applaus des Publikums nach der Premiere der beiden absurden Kriminalstücke
von Tom Steppard kannte keine Grenzen. Mehrmals hatte es für
einzelne Schauspieler der Meldorfer Theatergruppe schon Szenenapplaus
gegeben, wenn die Akture wieder mal die skurilen Type in den Krimis
bezeichneten. So nahmen Mutter Harris (Gesche Utermark-Koch) in "Nach
Magritte" zeitweise Züge von Helga Feddersen an, und Inspektor
Watson wirkte oft wie Inspektor Columbo.
Wer allerdings Slapstick wie im Fernsehen erwartet, der sollte lieber
nicht hingehen. Der Witz an der Sache ist nämlich oft schwer verständlich,
weil britischer Humor nun mal ausgesprochen hintersinnig ist. So werden
im ersten Stück "Der wahre Inspektor Hound" die beiden Theaterkritiker
Moon (Tim Sendel) und Birdboot (Uwe Peters) ganz allmählich und kaum
spürbar ins Geschehen auf der Bühne einbezogen, wo ein mittelmäßiger
Krimi abläuft. Dabei verlieren die zunehmend die Distanz zu den Abläufen.
Als Birdboot bereits zwischen den Beteiligten auf der Bühne herumläuft,
er sogar schon von seiner Frau angerufen und vor all den Leuten um
Treueschwüre gebeten wird, ruft ihm Moon zu: Sie machen das Ganze
zu einer Farce - und gibt mitten im Stück den Hinweis auf das Genre.
Die Meldorfer Zuschauer lesen im Programmheft, was Alan Ayckbourn
über die Farce notiert hat: Im Gegensatz zur Komödie bittet
man das Publikum, einer höchst unwahrscheinlichen Kette von Ereignissen
zu folgen. Alles beginnt auf einer realistischen und glaubwürdigen
Ebene, eskaliert dann aber zu einer unglaublichen Reise. Die Figuren,
die erst noch ganz auf dem Boden standen, bewegen sich allmählich
an der Wand nach oben und schweben am Schluß unter der Decke.
Aber erst wenn der Vorhang fällt, solle dem Publikum bewußt
werden, dass es gerade Menschen gesehen hat, für die es mehr
gibt, als nur Gesetze der normalen Schwerkraft.
Da wird die Nähe zu Ren Magritte deutlich, der in seinen Gemälden
zumindest die Gesätze der Optik außer Kraft gesetzt hat,
um deutlich zu machen, dass es daneben noch mehr Sichtweisen gibt.
"Nach Magritte" heißt das zweite Stück, das die
Meldorfer aus Stoppards Schaffen herausgriffen. Die Handlungsebenen
sind eng verwoben, nach schwerer auseinander zu halten. Keine leichte
Kost, die sich die Theatergruppe unter der Regie von Susan Claussen
vorgenommen hat. Wer allerdings die glanzvolle Aufführung der
ähnlich angelegten Lästerschule noch in Erinnerung hat,
der wird auch an diesem Abend seine Freude haben.
Und sei das Stück noch so schwierig, die Akteure schaffen es
durch orginelles, mimik- und gestenreiches Spiel, die Zuschauer zu
fesseln. Den skurrilen Typen aus einem britischen Krimi werden sie
allesamt gerecht. Quirlig und ideenreich spielte dabei vor allem eine
Neuerwerbung: Jan Claussen. Im "Wahren Kommissar Hound"
ls entflohender Geisteskranker zwischen mehreren Frauen, und als Reginald
Harris in "Nach Magritte". In beiden Stücken steigert
sich mit ihm die Skurilität bis zum Chaos. Eine hervorragende
Premiere für die Stücke - eine glanzvolle für den neuen
Schauspieler. |
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Dithmarscher
Rundschau vom 27. März 2000 (Mo) |
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