Unter dem Milchwald
Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
Vorstellungskraft der Zuschauer gefordert
Premiere der Meldorfer Theatergruppe mit "Unter dem Milchwald"
 
  Meldorf (mb)   Wird man von einem Theaterabend so gefesselt, daß man alles um sich herum vergißt, hat die Aufführung Klasse. "Profi-Klasse", schwärmten die Besucher der Theaterpremiere der Meldorfer Theatergruppe, die mit der Inszenierung des berühmten Stückes "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas ein gewagtes Experiment einging.

"Unter dem Milchwald" ist im eigentlichen Sinn kein Theaterstück. Es ist ein Stück dichtester Erzählkunst. Wie der Beleuchter eines imaginären Welttheater richtet Thomas den Lichtkegel seines Interesse auf ein kleines walisisches Fischerdorf und leuchtet es für einen einzigen Frühlingstag aus.

Die Schwierigkeit für das Theater-Ensemble bestand einmal darin, daß es auf die Imaginationskraft der Zuschauer vertrauen mußte. Denn sie waren wie bei einer Lesung zuerst als Zuhörer gefordert.

Das alte Klavier aus Linden linksseits der Bühne, das ausgediente Ruderboot aus Nordhastedt rechtsseits hattne schon vor Beginn der Vorstellung neugierig gemacht. Immer präsent in ihrer Gegenständlichkeit dienten sie den beiden Vorlesern Aspasia Pohlmeyer und Axel Staudte als Sitzplätze.

Obwohl am Rand platziert, stand und fiel die Aufführung mit ihrer Gabe, den schwierigen, von Sprachbildern prallen poetischen Text so herüberzubringen, daß das Publikum einsteigen und mitleben konnte.


Heute zweite Aufführung
um 20 Uhr


Sie waren die Stichwortgeber für das Bühnengeschehen: keiner eigentlichen Handlung, sondern einer Summe sich überlagernder Fragmente aus dem Nacht- und Taggeschen in und um das Dorf.

Von einer bis zu zehn Rollen hatten die Amateurdarsteller der Truppe stimmlich, mimisch und pantomimisch zu füllen. Susan Claussen schaffte es mit ihrer Regie, sie so zu enthemmen, daß sie, wie Hannelore Altenburg, einem als Mrs. Ogmore-Pritchard ebenso nahme kamen, win in der Verkörperung einer Kuh. Was für Hannelore Altenburg gilt, gilt für alle Beteiligten.

Man lernte sie kennen, die Bewohner von Llareggub. Mit ihren Prinzipien, ihren Träumen, ihren Schwächen, ihren Lieben. Die Toten des Dorfes, mit denen die leben. Auf einer Bühne, die asketisch nur mit Spielflächensegmenten ausgestattet war und die im ersten, dem Nachtteil, von einem riesigen Seidentuch lebte. Einem Einfall der Bühnenbildnerin Dagmar Bexel. Weiß auf der einen Seite, auf der anderen dunkel. Es konnte Meer simulieren aber auch Traumlandschaft spiegeln. Ein ungewöhnliches Stück, das noch heute, Mittwoch und Montag, 11. Oktober, jeweils ab 20 Uhr in der "Ditmarsia" gegeben wird.
 
Dithmarscher Landeszeitung vom 04. Oktober 1999 (Mo)


weiter StückInfo Termine zurück
 
         
           
 
nach oben