Blut und Liebe
Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
Und am Ende bleibt nur einer übrig
"Blut und Liebe" - Aufführung quälte die Lachmuskeln
 
  Meldorf - Kein Stuhl war mehr frei, als die Meldorfer Theatergruppe das Ritter-Schauer-Drama von Martin Luserke "Blut und Liebe" in der Ditmarsia ausführte. Eingestimmt mit einem Glas Sekt auf Kosten der Truppe genossen die vielen Ehemaligen der Meldorfer Gelehrtenschule dieses fidel burleske Stück aus der Feder ihres ehemaligen Lehrers, der 1968 verstarb. Getreu den Regieanweisungen des Autors waren auch die Frauenrollen von Männern besetzt worden. Und die spielten drauflos, was das Zeug hielt.

Die Besetzung der Frauenrollen mit den größten Männern der Truppe konnte man als Geniestreich bewundern. Kurt Weißinger als Frau von Wolfseck in rosaroter Robe und Carsten Decker als Tochter Thusnelda, liebevoll "Tusschen" gerufen, in blauem Gewand mit eingenähtem Busen, fanden in ihren Aktionen den Punkt, der die Lachmuskeln in Gang setze. Doppel hilflos erschien Thomas Eckhardt als bösartiger Ritter Wolf von Wolfseck. Und Andreas Altenburg als Heldenjüngling Roderich von Löwenklauenstein konnte seiner Leidenschaft zu Thusnelda nur mit einer Fußbank unter den Stiefeln frönen.

Leichen lagen am Ende genug herum. Zu danken dem Quaksalber Tim Sendel, der seine Dienste dem Roderich ebenso schleimig wie krämerisch anbot. Jener hoffte damit, seinen Gegenspieler, den Alten von Wolfseck, mit Gift außer Gefecht zu setzen und mit einem Liebestrank dessen Tochter in Besitz zu bringen. Die Intrige ging gründlich daneben.

Die Tinkturen wurden verwechselt, der Quaksalber entbrannte auf das Köstlichste für seinen Arbeitgeber, der nichtsdestotrotz dem Gift erlag. Einen ließ Luserke übrig, die Moral zu verkünden. Leidenschafft wirkt sich zerstörerisch auf die Hygiene aus. "Der Objektive ist nicht tot zu kriegen." Welchen tiefen Hintersinn in der Klamotte.

Minne Rössler
 
Dithmarscher Landeszeitung vom 18. September 1997 (Do)


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