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Pressespiegel zum Stück


 
 
 
 
 
 
Waschfrau Wulff - eine lavierende Ekelperson
Auf Plattdeutsch: Meldorfer Theatergruppe führte Gerhard Hauptmanns "Biberpelz" auf
 
  Meldorf.  Dem Publikum in der Ditmarsia fiel es anfangs nicht leicht, mit Hauptmanns "Biberpelz" in der niederdeutschen Fassung von Max Friedrich Jensen warm zu werden. Wilddiebereien sind mit ihrem Aufwand und der Gefahr für Leib und Leben den Leuten mit krimineller Energie am Ende unseres Säkulums schlicht nicht mehr zuzumuten. Aber spätestens, als der ausgestopfte Rehbock mit schlenkernden Läufen davongetragen wurde, kamen die ersten Lacher.

Mit der Ruhe einer hundertjährigen Distanz zu dem Stück konnte man sich mit der Psychologie der handelnden Personen auseinandersetzen. Mit der ach so ehrenwerten Waschfru Wulf, einer Emanze aus dem Ende des vergangenen Säkulums, die mit ihrer Präsanz in kritischen Situationen eine Rita Süßmuth glatt auszählt. Sie ist es, die hinter der Maske der Ehrlichkeit und staatsbürgerlichen Aufrichtigkeit eine Dieberei nach der anderen anzettelt, ohne daß man ihr etwas anhaben könnte. Hannelore Altenburg mit ihrer Mamafigur schaukelt ihre Spitzbübereien mit einer moralischen Entrüstung, die sich gewaschen hat. Sie bewältigt diese zentrale Rolle auf niederdeutsch mit fast professioneller Lässigkeit. Sie ist die Sympathieträgerin, seltsamerweise moralisch genau genommen eigentlich eine lavierende Ekelperson. Ihrer Tochter Adelheid macht sie ein X für ein U vor, bringt Meike Thiel dazu, dank Mutterautorität kindliches Gerechtigkeitsgefühl zu unterdrücken.

Ehegatte Julius in Gestalt von Paul Tiessen wird entweder begöscht oder in den Hintern getreten. Tiessen geht um mit der Rolle dessen, der von der Rolle ist, daß es sich lohnen würde zu hinterfragen, wie er sich in einer von Frauen dominierten Gesellschaft sieht. Und da sind die Mohrs. Jürgen Winter und Anneliese Peters. Die Spitzel. Unbeliebt und doch angenommen. Wer mag sie schon wirklich. Er hat ein Auge verloren im Dienst der Gerechtigkeit.

Das ist seine Visitenkarte und Rechtfertigung. Louise Meers hat sie in Loden gesteckt. Ein genialer Schachzug auf der weniger beachteten Strecke der Kostüme. Den Vertreter der Gerechtigkeit, den Rentier Kröger alias Axel Staudte, hat die Maske zu weiß geschinkt. Oder nicht? Untergehender Stern an einem Himmel, wo die Selbstversorgung eingentlich nur noch staatsfern ablaufen kann.

Vielleicht ist alles gar so gemeint gewesen. So kam das Stück auf jeden Fall herüber.

Minne Rössler
 
Dithmarscher Landeszeitung vom 17. Februar 1997 (Mo), Seite 7
Anmerkung: Paul heißt Bernd und Jürgen Winter ist Heino Buberl, da ersterer erkrankt ist und wir ihm gute Besserung wünschen. :-)


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